Nur zehn Jahre SUPERBOOTH?

2001 hatte ich auf der Musikmesse Frankfurt erstmals einen eigenen Stand als SchneidersBuero. Für Sherman und JoMoX hatten wir noch einen größeren eigenen Stand gebucht, für beide Marken wie auch für Technosaurus (CH), EOwave (F) und Future Retro (US) war ich Handelsvertretung in Deutschland (plus X). Ich bat Händler, Magazine, Künstler:innen und Freunde erfolgreich an meinem eigenen Tisch auf einen Absynth mit Club Mate, wir durften (auch indoors) rauchen, ich fand viele neue Freunde.

2002 folgten viele neue Freunde der Einladung zu einem kollektiven Stand auf der Messe: Doepfer, Elektron, Bob Moog mit „Big Briar“, Vermona und Analogue Solutions machten nun auch mit. Wir buchten als Messestand 60 qm, planten eine Messeparty mit Toktok, Monolake und weiteren in einem Frankfurter Club. Den Ort auf der Messe mit eigener Bar und Lichttraverse machten wir mit unseren Freunden und Partnern aus Berlin erstmals zu einem alternativen Happening inmitten der sonstigen Businesswelt.

2007 – im siebten Jahr – fanden sich 66 Positionen im Übersichtsplan der zwei einander gegenüber an einem Gang liegenden Gemeinschafts-Stände. Es gab abendliche Events in der Galerie „Atelier Frankfurt“ mit Gemeinschaftsküche für Ausstellende, Freunde und Partner, Konzerte und Performances. Der Versuch, sich von der Musikmesse abzukoppeln ist schon hier erkennbar.

2008 verweigerten wir den Gemeinschaftsstand und trugen unsere Entwicklung in der ersten eigenen gedruckten Publikation „stecken schrauben spielen“ zusammen, die ich in Frankfurt verteilte. Die Messe drohte mir mit Hausverbot wegen der nicht genehmigten dortigen Verteilung aus meinem rollenden Hand-Koffer. Ein besonderes Event für Freunde in der Nähe der Messe gab es natürlich trotzdem.

2009 startete ich für weitere sieben Jahre „Gemeinschaftstände“ möglichst nur mit Marken, bei denen ich auch als Handelsvertretung Geschäfte in Deutschland und Europa machen konnte, durfte oder sollte. Mit der Gründung vom eigenen Fachvertrieb Alex4 Distribution GmbH übernahm diese die Verantwortung für die folgenden Stände und Events. Die Arbeit und Umsetzung blieb überwiegend in meinen Händen.

2015 ergab sich nach mehreren Versuchen ein brauchbarer Kontakt zum prominenten Funkhaus in Berlin. Mein Freund und Mitmusiker und jetziger Finanzkaufmann Thomas Brandes erschien im richtigen Moment, wir vereinbarten die Gründung der SUPERBOOTH Berlin GmbH als Veranstalter. Sofort begann die Aquise für das erste eigene Event im hochattraktiven Funkhaus für das Frühjahr ..

2016.: Mit 50 Ausstellenden fand die erste eigene und sehr aufwändig umgesetzte Veranstaltung in den einzeln angemieteten Studios und verbindenden Gängen und Lobbies im ehemaligen Funkhaus der DDR direkt an der Spree statt. Konzerte und Performances auf attraktiven Bühnen, ein eigener Catering- und Begegnungs-Bereich im Freien, eigene Bars bis in den Morgen, kleine und große Aussteller-Bereiche mit Möblierung und Stromverteilung durch uns als Veranstalter hatten hier Premiere.
Andre Kaufmann organisierte eigenständig den Verleih von Studio-Monitoren; er wurde in der Folge dritter Gesellschafter unserer GmbH und späterer Geschäftsführer. Das Funkhaus entpuppte sich aber leider als gefährliches Terrain für unsere junge Existenz: Der aufwändig erstellte Antrag zur offiziellen Genehmigung wurde vom Vermieter zurückgehalten, er überließ uns in gefährlicher Illegalität geschickt die Verantwortung als Veranstalter im ersten Jahr der Existenz.

2017 suchten und fanden wir im FEZ-Berlin einen ebenfalls attraktiven Ort, der uns deutlich respektvoller und anständiger entgegentrat. Viele Aussteller hatten nach dem Erfolg des Vorjahres großes Vertrauen in unser „Experiment“ gewonnen und machten ein weiteres Mal mit. Das FEZ-Berlin erwies sich als optimal und nun wuchs mit jedem Jahr die Zahl der treuen und zufriedenen Ausstellenden deutlich. 2019 kam es zu einem deutlichen Höhepunkt bei voller Auslastung von Räumen und Gängen im Gebäude.

2020 mussten wir wegen der Corona-Pandemie SEHR kurzfristig von einer gut gebuchten Messe zu einer rein filmischen Umsetzung derer als improvisiertem Ersatz wechseln. Wir wären Konkurs gewesen, wenn nicht treue Partner und Freunde bereits gezahlte Standgebühren für die zu erhoffende Wiederaufnahme der Geschäfte in einem späteren Jahr bei uns belassen hätten.

2021 veranstalteten wir einmalig im September und erstmalig im Innen- UND Außenbereich des FEZ-Berlin nach derzeit aktuellen Corona-Regeln, eine Veranstaltung, die ich gern als „die teuerste Party meines Lebens“ bezeichne. Jeder Ausstellende hatte einen eigenen Bereich mit guter Distanz zu den Nachbarn, hygienisch wie akustisch eine hervorragende Situation bei nur wenigen aber qualifizerten Besucher:innen. Dieses Experiment dient bis heute als Blaupause für die folgenden Veranstaltungen.

2022 war die Messe wieder im Frühjahr. Die amerikanische NAMMshow folgte UNSEREM Datum bewusst, respektierend dass wir für manche US-amerikanische Hersteller offensichtlich zur sogenannten Leitmesse geworden sind. Der kurze zeitliche Abstand zur vorherigen Veranstaltung im Herbst dämpfte aber die Möglichkeit, uns damit kaufmännisch zu konsolidieren.

2023 wuchs die Messe nachhaltig. In den Folgejahren entwickelten wir weitere Bereiche und lernten viel als noch immer junge Messeveranstalter an diesem und über diesen ungewöhnlichen Ort dazu. Die Erweiterung um Gitarren-Hersteller scheiterte an der Bereitschaft, in unserer Kostendimension zu wahren Partnern werden zu wollen. Der eigene Raum mit Outboard-Equipment ist dann hingegen zum konstanten neuen Bereich und somit ein Erfolg geworden.

2025 stand ich als Geschäftsführer der SuperBooth Berlin GmbH vor allem für die Zusammenarbeit mit dem FEZ-Berlin aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Verfügung, Andre Kaufmann übernahm. Meine engagierte Suche nach einem alternativen Standort wurde aber – nach wiederholt erfolgreichem Event an gleichem Ort – aufgegeben.

2026 bin ich auch als Geschäftsführer der SchneidersLaden GmbH erfolgreich zurückgetreten, Tom Körting und Tammy Eberhard haben übernommen. Meinen Rückzug aus der kaufmännischen Verantwortung dokumentiere und kommentiere ich im Rahmen der diesjährigen SuperBooth mit einer Ansprache zum zehntem Jubiläum der Veranstaltung in Berlin vor Ausstellenden, Partnern, unserer Fachpresse und geladenen Gästen im Auditorium am 6.5.2026, dem Vorabend der Eröffnung.

2027 wird das Jahr des Synthesizers: Die offizielle Benennung unserer Passion als „Instrument des Jahres“ durch nominierte Musikräte auf Landes- und Bundesebene offeriert die Möglichkeit, den niederschwelligen Zugang zur aktiven Musik und die interdisziplinäre Anwendung als Musikinstrument und als physikalisch experimentelle Werkbank, als nachvollziehbares Lernobjekt für mathematische Zusammenhänge bis hin zum sogenannten Analog-Computer besser zu verbreiten.

Neben Partner-Events in Peking, Tokyo und London sind diverse Veranstaltungen in Berlin und der Republik in Vorbereitung: Popup-Stores in Shopping Centern mit Workshops und Konzerten sowie ein Panel über die Bedeutung von Kunst und Musik für die Entwicklung der Jugend während der internationalen SuperBooth 2027 sind für mich konkret in Planung und Vorbereitung. Unzählige Berliner Institutionen beteiligen sich schon jetzt an den Feierlichkeiten mit eigenen Aktivitäten im ganzen Jahr, weitere suchen nach einem guten Weg, Berlin als Musikhauptstadt mit ihrer eigenen Duftmarke wieder in das weltweite Rampenlicht zu spülen. Ich spüle mit!